Inga Kalee Zimprich / Feministische Gesundheitsrecherchegruppe
Die müde Bibliothek
Die müde Bibliothek
Dieser Text ist in Leichter Sprache. Es gibt den Text auch auf schwerer Sprache:
Es gibt ein Gespräch zwischen den Künstlerinnen über die Bibliothek:
Und es gibt eine Sammlung von Heften über Gesund-heit. Die Sammlung ist auf Englisch:

Die müde Bibliothek
Ich bin Inga Zimprich.
Ich bin Künstlerin.
Ich habe mich mit anderen Künstlerinnen getroffen.
Wir sind eine Gruppe.
Die anderen Künstlerinnen heißen Fran Breden und Katrin Dinges.
Wir haben über eine neue Idee gesprochen.
Das ist der Titel der Idee: Die müde Bibliothek.
Was ist die müde Bibliothek?
Die müde Bibliothek ist für müde Menschen.

Die Gruppe hat sich gefragt:
Was brauchen müde Menschen?
Vielleicht brauchen sie eine Bibliothek.
In einer Bibliothek geht es uns gut:
Es gibt vieles zu lesen und zu sehen.
Das macht glücklich.
Müde Menschen wollen auch glücklich sein.
Doch es gibt ein großes Problem:
Der Weg zur Bibliothek ist lang.

Aber ich bin viel zu müde.
Die Gruppe hat hier eine Idee:
Die müde Bibliothek kann mit einem Post-Paket kommen.
In dem Paket sind Texte, Bilder, Videos und so weiter.
Es ist wie wenn eine Bibliothek nach Hause kommt.
Ich bin müde.
Und welche Bibliothek kann mir jetzt helfen?
Welche Texte können jetzt helfen?
Welche Bilder können jetzt helfen?
Die müde Bibliothek sucht Antworten auf diese Fragen.
Weil die müde Bibliothek müde Menschen versteht.
Und den müden Menschen helfen will.
Jeder Mensch kann dann eine Bibliothek bei sich Zuhause haben.
Es ist ein Gewinn für alle.
Wie funktioniert die müde Bibliothek?
Die Gruppe packt Post-Pakete.
In einem Post-Paket ist:
- Texte
- Bilder
- Videos
- Audios
- Kunst-Werke
- Zeitschriften
- Andere Sachen
In dem Post-Paket ist, was ein müder Mensch braucht.
Das Post-Paket kommt zu Dir nach Hause.
Die müde Bibliothek findet jetzt zuhause statt.
Du kannst dir erstmal Zeit nehmen.
Wenn Du dir genug angeschaut hast,
packst du die Sachen aus der Bibliothek
wieder in das Post-Paket.
Dann schickt der müde Mensch das Paket zurück an die Gruppe.
Die Gruppe schickt dir ein neues Post-Paket
wenn Du wieder müde bist
aber eine Bibliothek bei Dir brauchst.
Dies ist erstmal nur eine Idee:
die Idee der müden Bibliothek.
Was passiert, wenn etwas im Paket fehlt?
Vielleicht vergisst der Mensch ein Heft mit einzupacken?
Das Paket ist schon weg.
Das Heft liegt aber im Zuhause vom müden Menschen.
Inga und die Gruppe haben schon daran gedacht:
Vielleicht fehlt etwas in dem Paket.
Das Fehlen ist aber nicht so schlimm.
Weil müde Menschen vergessen manchmal etwas.
Und unsere Bibliothek will müden Menschen helfen.
Das Schicken vom Paket soll einfach sein.
In dem Paket kann etwas fehlen.
So können sich alle gut fühlen.
Wie ist die müde Bibliothek entstanden?
Die müde Bibliothek entstand aus einem Problem:
Künstlerinnen wollen Kunst machen.
Es gibt aber kein Geld für Kunst.
Künstlerinnen verdienen schlecht Geld.
Sie müssen deshalb noch viel mehr arbeiten.
Kunst machen heißt Lust und Neugier.
Wenn wir Stress haben, verschwindet Lust und Neugier.
Man nennt das auch: Selbst-Ausbeutung.
Das bedeutet: Sich selbst ausbeuten.
Sich selbst ausbeuten heißt: viel machen und wenig zurück bekommen.
Kunst macht dann nur noch wenig Spaß.
Der Antrieb fehlt.
Inga hatte vor dem Projekt auch noch ein Baby bekommen.
Jetzt gab es gar keine Zeit mehr für Kunst.
Jetzt gab es noch viel mehr Stress.
Deshalb fragte sie sich:
Was kann helfen, wenn ich müde bin?
Es gibt auch andere müde Menschen:
- Menschen mit Behinderung

- Menschen mit Krankheiten

- Alte Menschen

Wie können wir allen müden Menschen helfen?
Inga und die Gruppe schreiben Texte und machen Kunst dafür.
Müde Menschen können vielleicht nicht in die Bibliothek.
Aber müde Menschen wollen auch lesen und Kunst sehen.
Müde Menschen wollen auch Kunst fühlen
und nicht nur auf den Bildschirm gucken.
Das denkt zumindest die Gruppe.
Sie wollen jetzt das Projekt ausprobieren.
Die Gruppe weiß noch nicht, ob das Projekt funktioniert.
Die Gruppe wartet jetzt gespannt:
Kann die müde Bibliothek wirklich müden Menschen helfen?
Oder ist die müde Bibliothek nur eine gute Idee?
Das finden wir jetzt heraus!
Fragen zur Müdigkeit an Dich
Nimm dir einen Stift.
Du kannst etwas aufschreiben.

Bist du manchmal müde?
Bist du immer müde?
Warum bist du müde?

Wo willst du sein, wenn du müde bist?
Was willst du machen, wenn du müde bist?

Wenn du müde bist, welche Bücher willst du haben? (lesen? sehen? anschauen?)
Wenn du müde bist, was hörst du gerne?
Wenn du müde bist, was siehst du gerne?
Wenn du müde bist, was fühlst du gerne?

Das war der Text über die müde Bibliothek. Inga ist in noch einer Gruppe. Die Gruppe heißt Sickness Affinity Group. Das ist Englisch. Es heißt: Bezugs-Gruppe Krankheit. Hier geht es zur Website der Sickness Affinty Group: Website in Leichter Sprache.
Über Inga Zimprich / Feministische Gesundheitsrecherchegruppe
Inga Zimprich (sie/ihr) ist eine weiße, nicht behinderte Person und Mutter eines Kindes. Sie arbeitet als Künstlerin und Taubblindenassistentin und lebt in Berlin. Zusammen mit Julia Bonn bildet Inga die Feministische Gesundheitsrecherchegruppe (FGRG). Seit 2015 entwickelt die FGRG ermächtigende Perspektiven auf Gesundheitsversorgung und gegenseitige Fürsorge in Ausstellungen, Heften und Workshops. Im Kunstfeld setzt sich die Feministische Gesundheitsrecherchegruppe für Räume ein, in denen wir Verletzlichkeit teilen und (Zugangs-)bedürfnisse ins Zentrum stellen können. Im Projekt Die Neue Gesundheitsbewegung (mit Alina Buchberger, Huong Nam Nguyen Thi, Pasquale Virginie Rotter, Kim Wichera) ist FGRG gegenwärtig im Gespräch mit selbstorganisierten gesundheitspolitischen Initiativen über ihre Forderungen an das deutsche Gesundheitssystem. 2017 hat Inga Zimprich die Sickness Affinity Group mitgegründet.
Infos zu Feministischen Gesundheitsrecherchegruppe
Die müde Bibliothek
von: Inga Kalee Zimprich / Feminst Health Care Group
Künstlerische Mitarbeit: Frances Breden, Katrin Dinges
Übersetzung Leichte Sprache: Lea Dietschmann
Bebilderung: Georgios Konstantinou
Prüfung Leichte Sprache: Meine Damen und Herren
Bildbeschreibungen (Fotos): Fabian Korner, Wanda Dubrau
Sickness Affinity Group's Zine Library
von: Frances Breden