Access and Exhaustion

Inga Kalee Zimprich / Feministische Gesundheitsrecherchegruppe

Die müde Bibliothek

Die müde Bibliothek

Dieser Text ist in Leichter Sprache. Es gibt den Text auch auf schwerer Sprache:

Zum Text in Schwerer Sprache.

Es gibt ein Gespräch zwischen den Künstlerinnen über die Bibliothek:

Zum Gespräch.

Und es gibt eine Sammlung von Heften über Gesund-heit. Die Sammlung ist auf Englisch:

Zur Hefte-Sammlung.



Ein Foto von mehreren Heften, die zusammen arrangiert auf einem lila Teppichboden liegen. Die Hefte sind aus der Vogelperspektive abgebildet. Zu dem Arrangement gehören auch ein Zauberstab und zwei metallerne Pompons in silber und blau. Die Hefte haben unterschiedliche Farben, Motive und Schriftarten. Die Hefte gehören zu den Publikationen der müden Bibliothek.



Die müde Bibliothek

Ich bin Inga Zimprich.

Ich bin Künstlerin.

Ich habe mich mit anderen Künstlerinnen getroffen.

Wir sind eine Gruppe.

Die anderen Künstlerinnen heißen Fran Breden und Katrin Dinges.

Wir haben über eine neue Idee gesprochen.

Das ist der Titel der Idee: Die müde Bibliothek.

Was ist die müde Bibliothek?

Die müde Bibliothek ist für müde Menschen. Ein im Comic-Stil gezeichneter müder Mensch stützt seinen Kopf in die Hand. In einer Denkblase sind Bücher zu sehen.

Die Gruppe hat sich gefragt:

Was brauchen müde Menschen?

Vielleicht brauchen sie eine Bibliothek.

In einer Bibliothek geht es uns gut:

Es gibt vieles zu lesen und zu sehen.

Das macht glücklich.

Müde Menschen wollen auch glücklich sein.




Doch es gibt ein großes Problem:

Der Weg zur Bibliothek ist lang.

Links im Bild steht ein Haus, in dem Bücher stehen. Oben rechts ist ein kleineres Haus, in dem ein müder Mensch sitzt. Der Mensch stützt den Kopf in die Hand und sieht traurig aus. Vom Haus mit den Büchern läuft ein langer, gewundener Weg zu dem traurigen Menschen.

Aber ich bin viel zu müde.

Die Gruppe hat hier eine Idee:

Die müde Bibliothek kann mit einem Post-Paket kommen.
Rechts im Bild ist ein comic-haft gezeichneter Mensch, der die Hände ausstreckt. Von links oben reichen zwei andere Hände dem Menschen ein Paket. Auf dem Paket steht "MÜDE BIBLIOTHEK". In dem Paket sind Texte, Bilder, Videos und so weiter.

Es ist wie wenn eine Bibliothek nach Hause kommt.



Ich bin müde.

Und welche Bibliothek kann mir jetzt helfen?

Welche Texte können jetzt helfen?

Welche Bilder können jetzt helfen?

Die müde Bibliothek sucht Antworten auf diese Fragen.

Weil die müde Bibliothek müde Menschen versteht.

Und den müden Menschen helfen will.

Jeder Mensch kann dann eine Bibliothek bei sich Zuhause haben.

Es ist ein Gewinn für alle.




Wie funktioniert die müde Bibliothek?

Die Gruppe packt Post-Pakete.

Im Comic-Stil steht in der Bildmitte ein Post-Paket. Auf dem Paket steht "MÜDE BIBLIOTHEK". Der Deckel des Pakets ist offen und fünf Hände, die von den Rändern des Bildes kommen, legen Dinge hinein. von links nach rechts sind die Dinge: ein kleiner weißer Würfel, eine Box mit CDs, ein Buch und ein Blatt Papier, auf dem etwas steht, das man nicht lesen kann. In einem Post-Paket ist:

  • Texte
  • Bilder
  • Videos
  • Audios
  • Kunst-Werke
  • Zeitschriften
  • Andere Sachen

In dem Post-Paket ist, was ein müder Mensch braucht.

Das Post-Paket kommt zu Dir nach Hause. In der Bildmitte steht ein schlicht gezeichnetes kleines Haus, die Haustür zeigt nach vorne. Vor der Tür liegt ein Paket, auf dem steht "MÜDE BIBLIOTHEK". Die Tür ist ein Stück weit geöffnet und der Kopf eines Menschen schaut hinaus. Der Mensch schaut auf das Paket hinunter und lächelt. Die müde Bibliothek findet jetzt zuhause statt.

Du kannst dir erstmal Zeit nehmen. Das Paket mit der Aufschrift "MÜDE BIBLIOTHEK" steht geöffnet. Im Inneren sind verschiedene Dinge: eine kleine Box, Papier, ein Würfel und noch mehr nicht erkennbare Dinge. Naben der Box ist der Oberkörper eines Menschen zu sehen, der ein Buch aus dem Paket in den Händen hält und es sich ansieht. Wenn Du dir genug angeschaut hast,

packst du die Sachen aus der Bibliothek

wieder in das Post-Paket.




Dann schickt der müde Mensch das Paket zurück an die Gruppe.

Die Gruppe schickt dir ein neues Post-Paket

wenn Du wieder müde bist

aber eine Bibliothek bei Dir brauchst.

Dies ist erstmal nur eine Idee:

die Idee der müden Bibliothek.




Was passiert, wenn etwas im Paket fehlt?

Vielleicht vergisst der Mensch ein Heft mit einzupacken?

Das Paket ist schon weg.

Das Heft liegt aber im Zuhause vom müden Menschen.

Inga und die Gruppe haben schon daran gedacht:

Vielleicht fehlt etwas in dem Paket.

Das Fehlen ist aber nicht so schlimm.

Weil müde Menschen vergessen manchmal etwas.

Und unsere Bibliothek will müden Menschen helfen.

Das Schicken vom Paket soll einfach sein.

In dem Paket kann etwas fehlen.

So können sich alle gut fühlen.




Wie ist die müde Bibliothek entstanden?

Die müde Bibliothek entstand aus einem Problem:

Künstlerinnen wollen Kunst machen.

Es gibt aber kein Geld für Kunst.

Künstlerinnen verdienen schlecht Geld.

Sie müssen deshalb noch viel mehr arbeiten.

Kunst machen heißt Lust und Neugier.

Wenn wir Stress haben, verschwindet Lust und Neugier.

Man nennt das auch: Selbst-Ausbeutung. Ein comic-haft gezeichneter Mensch hält sich die Hände an die Stirn. Der Mund des Menschen ist geöffnet, er hat Augenringe und ihm läuft ein Schwißtropfen die Wange herunter. Das bedeutet: Sich selbst ausbeuten.

Sich selbst ausbeuten heißt: viel machen und wenig zurück bekommen.

Kunst macht dann nur noch wenig Spaß.

Der Antrieb fehlt.

Inga hatte vor dem Projekt auch noch ein Baby bekommen.

Jetzt gab es gar keine Zeit mehr für Kunst.

Jetzt gab es noch viel mehr Stress.

Deshalb fragte sie sich:

Was kann helfen, wenn ich müde bin?

Es gibt auch andere müde Menschen:

  • Menschen mit BehinderungEin lächelnder, comic-haft gezeichneter Mensch, der im Rollstuhl sitzt.
  • Menschen mit Krankheiten Ein comic-haft gezeichneter Mensch liegt im Bett. Er hat die Decke bis ans Kinn hochgezogen und die Augen geschlossen.
  • Alte Menschen Ein comic-haft gezeichneter Mensch läuft und stützt sich dabei auf einen Gehstock. Der Mensch hat Stirnfalten, Augenringe und die Hand auf den Rücken gedrückt.




Wie können wir allen müden Menschen helfen?

Inga und die Gruppe schreiben Texte und machen Kunst dafür.

Müde Menschen können vielleicht nicht in die Bibliothek.

Aber müde Menschen wollen auch lesen und Kunst sehen.

Müde Menschen wollen auch Kunst fühlen Ein comic-haft gezeichneter Mensch steht in einem Museum. Der Mensch steht in der Bildmitte. Links von ihm ist ein Bild mit einer Berglandschaft. Hinter dem Menschen ist ein Bild mit abstrakten Strichen. Rechts ist ein Bild mit einer Katze, die einen Mühlstein-Kragen anhat. Der Mensch schaut das Bild mit der Katze an. Er lächelt, aber seine Augenbrauen sind müde nach unten gezogen. und nicht nur auf den Bildschirm gucken.

Das denkt zumindest die Gruppe.

Sie wollen jetzt das Projekt ausprobieren.

Die Gruppe weiß noch nicht, ob das Projekt funktioniert.

Die Gruppe wartet jetzt gespannt:

Kann die müde Bibliothek wirklich müden Menschen helfen?

Oder ist die müde Bibliothek nur eine gute Idee?

Das finden wir jetzt heraus!




Fragen zur Müdigkeit an Dich

Nimm dir einen Stift.

Du kannst etwas aufschreiben.

Ein comichaft gezeichneter Bleistift schwebt über einem leeren Blatt Papier.

Bist du manchmal müde?

Bist du immer müde?

Warum bist du müde? Der Oberkörper eines comic-haft gezeichneten Menschen. Der Mensch stützt den Kopf in die Hand und hat die Augen geschlossen, er sieht müde aus.

Wo willst du sein, wenn du müde bist?

Was willst du machen, wenn du müde bist? Ein comic-haft gezeichneter Mensch hat den Kopf in die Hand gestützt. Über ihm sind zwei denkblasen. In der linken sind ein Sessel, ein Bett und ein Liegestuhl zu sehen. In der rechten sind eine dampfende Tasse, ein Flachbildschirm und ein Buch mit einer Maus auf dem Cover zu sehen. Der Mensch hat die Augen geschlossen und lächelt.

Wenn du müde bist, welche Bücher willst du haben? (lesen? sehen? anschauen?)

Wenn du müde bist, was hörst du gerne?

Wenn du müde bist, was siehst du gerne?

Wenn du müde bist, was fühlst du gerne? Das Bild ist comic-haft und schwarz-weiß. Von unten greift eine Hand in das Bild. Über ihr sind fünf Gegenstände in Reihen angeordnet. In der oberen Reihe oben links liegt ein Buch, auf dem "DAS BUCH" steht und eine Brille zu sehen ist. In der Mitte ist ein Buch mit einer Maus auf dem Cover, über der "HELO!" steht. Rechts ist eine schwarze CD-Hülle, auf der in weiß eine Gitarre und das Wort "POP" stehen. In der unteren Reihe ist links ein Blatt mit Musiknoten und rechts eine CD. Die Hand greift nach den Gegenständen.




Das war der Text über die müde Bibliothek. Inga ist in noch einer Gruppe. Die Gruppe heißt Sickness Affinity Group. Das ist Englisch. Es heißt: Bezugs-Gruppe Krankheit. Hier geht es zur Website der Sickness Affinty Group: Website in Leichter Sprache.

Über Inga Zimprich / Feministische Gesundheitsrecherchegruppe

Inga Zimprich (sie/ihr) ist eine weiße, nicht behinderte Person und Mutter eines Kindes. Sie arbeitet als Künstlerin und Taubblindenassistentin und lebt in Berlin. Zusammen mit Julia Bonn bildet Inga die Feministische Gesundheitsrecherchegruppe (FGRG). Seit 2015 entwickelt die FGRG ermächtigende Perspektiven auf Gesundheitsversorgung und gegenseitige Fürsorge in Ausstellungen, Heften und Workshops. Im Kunstfeld setzt sich die Feministische Gesundheitsrecherchegruppe für Räume ein, in denen wir Verletzlichkeit teilen und (Zugangs-)bedürfnisse ins Zentrum stellen können. Im Projekt Die Neue Gesundheitsbewegung (mit Alina Buchberger, Huong Nam Nguyen Thi, Pasquale Virginie Rotter, Kim Wichera) ist FGRG gegenwärtig im Gespräch mit selbstorganisierten gesundheitspolitischen Initiativen über ihre Forderungen an das deutsche Gesundheitssystem. 2017 hat Inga Zimprich die Sickness Affinity Group mitgegründet.

Infos zu Feministischen Gesundheitsrecherchegruppe



Die müde Bibliothek

von: Inga Kalee Zimprich / Feminst Health Care Group

Künstlerische Mitarbeit: Frances Breden, Katrin Dinges

Übersetzung Leichte Sprache: Lea Dietschmann

Bebilderung: Georgios Konstantinou

Prüfung Leichte Sprache: Meine Damen und Herren

Bildbeschreibungen (Fotos): Fabian Korner, Wanda Dubrau



Sickness Affinity Group's Zine Library

von: Frances Breden